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22. März 2006

Die Kompetenz der Kirche in moralischen Fragen

Eine Studie in zehn europäischen Ländern stellte 1980/81 die Frage: "Glauben Sie ganz allgemein, dass die Kirche in unserem Land Antworten auf moralische Probleme und Nöte des einzelnen geben kann?"

Von den erwachsenen Befragten sind  - in allen zehn Ländern zusammengefasst - 37 % der Meinung, dass die Kirche diese Antworten geben könne. Die Spanne reichte von 17 % Zustimmung in Schweden bis 52 % Bejahung dieser Frage in der Republik Irland.

Eine Auschlüsselung nach Altersgruppen zeigt für alle zehn Länder einen parallelen Verlauf: Je jünger die Befragten, desto geringer ist der Anteil derer, die den Kirchen diese moralische Kompetenz zubilligen, und je älter die Befragten sind, desto mehr ist die Kirche für sie eine moralische 'Instanz'.  Die Unterschiede zwischen der  Kompetenzzuweisung an die Kirchen durch die älteste Gruppe (über 75 Jahre) und der jüngsten Altersgruppe (18-24 Jährige) beträgt in der Republik  Irland 41 Prozentpunkte ( 81 : 33), in der Bundesrepublik Deutschland 41 Prozentpunkte ( 59 : 18) und in Spanien 40 (61 : 21).

Diese 'Spitzengruppe' des Kompetenzverlustes - in denen sich die positiven Zuweisungen kontinuierlich durch die Altersgruppen verringern - verweist auf eine europaweite "Entkirchlichung", die sich durch die gesamten Gesellschaften zieht und von denen  die konservativ-katholischen Gebiete anscheinend stärker betroffen sind. 

Die häufigen - und in Deutschland immer populär gebliebenen  - "Schuldzuweisungen" an die so genannten "68er", sind also eher als der konservative Versuch zu betrachten, von der Erosion im eigenen Lager abzulenken.

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